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24. Mai 2015

Durch Mazedonien und Bulgarien

Schon relativ früh im Jahr hatten wir unsere Urlaubstage festlegen müssen. Neben einer längeren Reise im Sommer planten wir dabei auch eine einwöchige Reise Anfang Mai ein. Es dauerte eine Weile bis wir uns auf ein Ziel einigten. Doch nachdem wir uns an unsere Reisen in Mazedonien und Bulgarien erinnert hatten, fiel die Entscheidung recht bald. Wir würden von Deutschland in die mazedonische Hauptstadt Skopje fliegen, einige Tage im Osten des Landes unterwegs sein, dann die mazedonisch-bulgarische Grenze passieren und schließlich noch ein paar Städte in Bulgarien erkunden.
Karte Mazedonien Bulgarien
Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter ODbL
Skopje Vardar
Ankunft im verregneten Skopje
Am 02.05.2015 geht es los. Früh morgens brechen wir zum Flughafen Dortmund auf und sitzen wenig später bereits im Flieger nach Skopje, das wir nach gut zweistündigem Flug am frühen Vormittag erreichen.
Bus Skopje Bitola
Im Bus nach Bitola
Zu unserer Enttäuschung ist das Wetter wie bereits in der Heimat eher trübe. Nachdem wir mit dem Bus vom Flughafen zum Busbahnhof gefahren sind, beginnt es sogar zu regnen. Im Busbahnhof erkundigen wir uns nach den Abfahrtszeiten der Busse in die ostmazedonische Stadt Bitola und kaufen Tickets für den nächsten Bus. Der wird aber erst nachmittags abfahren.
Bitola Sirok Sokak
Ankunft in Bitola
Wir nutzen die Wartezeit um in die Innenstadt von Skopje zu spazieren und dort ein wenig Proviant für die Fahrt einzukaufen. Seit unserem letzten Aufenthalt vor drei Jahren hat sich einiges getan im Stadtzentrum.
Sirok Sokak Bitola
Fußgängerzone Sirok Sokak
Weitere Neubauten im neo-klassizistischen Stil sind hinzugekommen ebenso wie weitere auf antik getrimmte Statuen. Doch immer noch wirkt alles wie eine große Baustelle. Bei einer kleinen Bäckerei ergattern wir ofenfrisches Börek, herzhaftes mit Feta und Spinat gefülltes Strudelgebäck, dann kehren wir zum Busbahnhof zurück.
Magnolienplatz Bitola
Magnolienplatz
Kurze Zeit später sitzen wir bereits in einem vollbesetzten Reisebus. Die Fahrt verläuft eher unspektakulär. Bei dem trüben Wetter verliert selbst die raue Berglandschaft am Wegesrand ihren Reiz.
Jeni Dzamija Bitola
Jeni Džamija
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich den Busbahnhof von Bitola. Der Regen hat inzwischen nachgelassen und die Wolkendecke macht erste Anstalten aufzureißen. Auf dem Weg ins Stadtzentrum passieren wir die Gebäude der Universität von Bitola. Zufällig entdecken wir dort ein Schild, dass auf Gästezimmer auf dem Campus hinweist.
Uhrturm Bitola
Uhrturm
Kurz entschlossen folgen wir der Beschilderung und können tatsächlich ein Zimmer in einem Trakt des Studentenwohnheims beziehen. Nach einer kurzen Pause brechen wir in die Innenstadt auf. Schnell erreichen wir die Straße Sirok Sokak, zu deren Seiten sich das historische Stadtzentrum erstrecken soll. Wir schlendern erst an einem Erholungspark, dann an hübschen Häuschen aus dem 19. Jahrhundert vorbei.
Besistan Bitola
Der Besistan
Schließlich gelangen wir zur Jeni-Moschee (Jeni Džamija) und dem Uhrturm. Die beiden Landmarken stehen direkt am Eingang zum Bazar von Bitola.
Bazar Bitola
Im Bazarviertel
Neben einem recht verfallenen überdachten Bazarkomplex (Besistan) gibt es hier auch den Straßenbazar zu besichtigen. Gedrungene alte Häuschen und Natursteinpflaster beherrschen die Szenerie. Die meisten Geschäfte sind zwar wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit bereits geschlossen, dennoch begeistert uns die stimmungsvolle Atmosphäre.
Herakleia Lynkestis
Ausgrabungsstätte Herakleia Lynkestis...
Am frühen Abend machen wir uns auf den Rückweg zu unserer Unterkunft. Unterwegs stoßen wir auf einen Wegweiser zu den Ruinen von Herakleia Lynkestis direkt am Stadtrand des modernen Bitola.
Herakleia Lynkestis
...Ruinen in spektakulärer Lage
Wir hatten schon vorher von der Ausgrabungsstätte gehört. Uns war aber nicht bewusst gewesen, dass sie so nah an der Innenstadt liegt. Tatsächlich haben wir Glück und der Eingang ist noch geöffnet. Wir kaufen für umgerechnet einen Euro Tickets, dann erkunden wir die Überreste der römischen Siedlung. Die Anlage wird von einem mächtigen und teilweise rekonstruierten Amphitheater beherrscht, außerdem sind Reste von Tempeln, Brunnen und Wohnhäusern freigelegt. Erst am späten Abend sind wir zurück in unserem Zimmer und legen uns nach einem raschen Abendessen schlafen.
Hostel Bitola
Aufbruch vom Hostel am nächsten Morgen
Zu unserer großen Freude beginnt der nächste Tag mit strahlendem Sonnenschein und wir brechen bereits am frühen Vormittag auf. Wir spazieren noch einmal die Sirok Sokak entlang und gehen zum Bazar weiter, dessen Geschäfte nun zumindest teilweise geöffnet sind.
Bitola Bazar
Auf dem Weg durchs Bazarviertel
Eine ganze Weile wandern wir ziellos durch die verwinkelten Straßen und Gassen. Inmitten einer Häuserzeile stoßen auf eine kleine Moschee und schießen einige Fotos der äußerst fotogenen Kulisse. Schließlich machen wir uns auf den Weg zum Busbahnhof.
Prilep Altstadt
Ankunft in Prilep
Nach kurzer Wartezeit können wir in einen Bus nach Prilep steigen, dem heutigen Tagesziel. Die Fahrt dauert eine gute Stunde. Vom Busbahnhof in Prilep ist es ein kurzer Fußmarsch bis zur Altstadt. Architektonisch erinnert sie sehr stark an die Altstadt von Bitola, allerdings ist Prilep insgesamt wesentlich kleiner.
Carshi Moschee Prilep
Ruinen der Carshi-Moschee
Auf einem Platz in der Mitte der Altstadt stoßen wir erneut auf einen der charakteristischen Uhrtürme und auf die Ruinen einer Moschee. Wir nehmen auf einer der Bänke Platz und lassen die Szenerie eine Weile auf uns wirken.
Markovi Kule Anstieg
Pause beim Aufstieg zur Markovi Kule
Am Ortseingang hatten wir eine touristische Landkarte gesehen, die auf die Ruinen der alten Festung Markovi Kule oberhalb der Stadt hinwies. Tatsächlich können wir nun auf einem der malerisch oberhalb der Stadt aufragenden Berge die Reste einer Befestigungsanlage erkennen. Wir zögern nicht lange und machen uns auf den Weg dorthin.
Markovi Kule Prilep
In der Festung
Obwohl das Terrain nicht sonderlich anspruchsvoll ist, brauchen wir eine Weile für den Aufstieg. Die Sonne brennt so heftig als wäre es bereits Hochsommer und der helle Schotter des Weges reflektiert die Sonnenstrahlen unerbittlich. Doch die Anstrengung lohnt sich.
Prilep Markovi Festung
Blick auf Prilep
Nachdem wir das Tor der äußeren Wehrmauer durchschritten haben, lassen sich gut die verschiedenen Befestigungsringe ausmachen. Einzelne Mauerfragmente und Gebäudeteile sind entweder restauriert worden oder haben die Zeiten gut überstanden.
Prilep Bahnhof
Am Bahnhof von Prilep
Begeistert erklettern wir alle zugänglichen Ruinen und genießen den beeindruckenden Rundumblick. Auf diese Weise gelangen wir auf die Felsspitze, die sich mitten in der Festungsanlage erhebt und mit einem Gipfelkreuz geschmückt ist. Wir machen einige Fotos vom unter uns liegenden Prilep, dann wagen wir uns an den Abstieg.
Art Hostel Skopje
Ankunft am Hostel in Skopje
Am späten Nachmittag sind wir in der Stadt zurück. Auf gut Glück gehen wir zum Busbahnhof und erwischen direkt einen Bus zurück in die Hauptstadt Skopje. Kurz vor Anbruch der Dämmerung kommen wir dort an. Wir müssen unser Gedächtnis ein wenig anstrengen, finden aber schließlich den Weg zu dem selben Hostel, wo wir schon drei Jahre zuvor bei unserem letzten Besuch in Skopje genächtigt hatten. Den Abend lassen wir auf der Veranda des Hostels ausklingen, direkt am Ufer der Vardar.
Innenstadt Skopje
Auf dem Weg in die Innenstadt am nächsten Tag
Am nächsten Tag sind wir bereits früh auf den Beinen. Noch vor dem Frühstück kaufen wir im Busbahnhof Tickets für den Bus in die bulgarische Hauptstadt Sofia.
Kunstbruecke Skopje
Die Kunstbrücke
Die Abfahrt wird allerdings erst am späten Nachmittag sein. In der Zeit bis dahin wollen wir noch einmal Skopje erkunden, das uns von unserem letzten Aufenthalt in äußerst positiver Erinnerung geblieben war. Nach dem Frühstück spazieren wir an der Vardar entlang in die Innenstadt. Dort sticht besonders das archäologische Museum mit seiner leuchtend weißen Fassade ins Auge.
Kamen Most Skopje
Historische Steinbrücke Kamen Most
Aber auch die mit dutzenden Statuen geschmückte Kunstbrücke bietet ein gutes Fotomotiv. Vorbei am großen Brunnen auf dem zentralen Platz Ploštad Makedonija und über die historische Steinbrücke (Kamen Most) bahnen wir uns den Weg in die Altstadt.
Bazarviertel Skopje
Im historischen Bazarviertel...
Obwohl ein schweres Erdbeben 1963 große Teile von Skopje zerstörte, hat sich der osmanische Teil der Altstadt bis heute erhalten und vermittelt einen guten Eindruck, wie die Stadt einmal ausgesehen haben mag. Wir genießen jedenfalls den Spaziergang durch die belebten Sträßchen des Bazarviertels mit seinen gemütlichen kleinen Häuschen.
Bazar Skopje
...und auf dem modernen Bazar
An den touristisch erschlossenen Teil der Altstadt grenzt ein neuzeitlicher Straßenmarkt an mit dem üblichen Sortiment an billiger Kleidung, Obst und Gemüse.
Aladja Moschee Skopje
Türbe bei der Aladja-Moschee
Touristen sehen wir hier keine mehr. Umso überraschter sind wir als wir direkt neben dem Markt die von einer kleinen Parkanlage umgebene Aladja-Moschee entdecken, immerhin eines der ältesten osmanischen Bauwerke Skopjes. Zurück in der Altstadt machen wir uns an den kurzen Aufstieg zur alten Festung von Skopje, der Kale. Bei unserem letzten Aufenthalt war sie nicht zugänglich gewesen, aber diesmal ist der Eingang geöffnet.
Kale Skopje
In der Festung
Der Großteil der Anlage scheint ziemlich frei rekonstruiert zu sein, doch der Gang über die breite Befestigungsmauer belohnt uns trotzdem mit einer tollen Aussicht auf die Stadt.
Mustafa Pascha Moschee Skopje
Mustafa-Pascha-Moschee
Nachdem wir die Festung hinter uns gelassen haben, spazieren wir noch ziellos ein wenig durch die Altstadt, werfen einen Blick auf den Daut-Pascha-Hammam und die Mustafa-Pascha-Moschee. Schließlich wenden wir uns der Neustadt zu. Die ist trotz der zahlreichen protzigen Neubauten weit weniger spektakulär als die Altstadt.
Mutter Theresa Skopje
Mutter Theresa - die berühmteste Tochter Skopjes
Eine der Touristenattraktionen ist die zum Museum umgestaltete Taufkirche von Mutter Theresa, der wohl berühmtesten Tochter Skopjes. In der Nähe finden wir eher zufällig auch einen Wegweiser zum alten Bahnhof der Stadt.
Bahnhof Skopje Museum
Der beim Erdbeben 1963 zerstörte alte Bahnhof
Das bei dem schweren Erdbeben 1963 erst wenige Jahre alte Gebäude wurde schwer beschädigt und anschließend nie wieder aufgebaut. Ein neuer Bahnhof wurde einige Kilometer entfernt errichtet; der Ruine des Vorgängerbaus kommt nunmehr die Funktion eines Denkmals zu.
Bus Skopje Sofia
Im Bus nach Sofia
In einer Shoppingmall am Rande der Innenstadt decken wir uns mit Proviant ein, dann kehren wir zum Busbahnhof zurück. Wenig später fährt unser Bus nach Sofia ab.
Sofia Loewenbruecke
Ankunft im nächtlichen Sofia
Die Fahrt führt über spektakuläre Bergpässe und durch karge, aber nicht weniger spektakuläre Landschaft. Obwohl es sich um eine EU-Außengrenze handelt, verläuft der Grenzübergang nach Bulgarien ereignislos. Nach rund sechs Stunden Busfahrt erreichen wir am Abend endlich die bulgarische Hauptstadt. Müde machen wir uns auf die Suche nach einem Hostel und werden in einer Seitenstraße nahe der Alexander-Newski-Kathedrale fündig.
Bahn Sofia Plovdiv
Auf der Bahnfahrt nach Plovdiv
Am nächsten Morgen checken wir bereits früh aus dem Hostel aus und gehen zum Bahnhof zurück. Hatten wir bei unserem letzten Aufenthalt vor immerhin fünf Jahren noch den maroden Charme des Sowjetära-Gebäudes bewundert, finden wir heute eine riesige Baustelle vor.
Plovdiv Bulgarien
Ankunft in Plovdiv
Bisher sind nur Teile des Bahnhofs modernisiert. Doch es ist schon zu erahnen, dass nicht viel von diesem Charme übrigbleiben wird. Beim Ticketschalter kaufen wir Fahrkarten nach Plovdiv und wenig später fährt der Zug auch schon ein. Beim Blick auf die am Fenster vorbeiziehende Berglandschaft vergeht die Fahrt in Windeseile und am frühen Nachmittag erreichen wir das Ziel. Wir folgen dem Strom der Passanten in die Richtung, wo wir die Innenstadt vermuten und gelangen so zum Beginn der zentralen Fußgängerzone von Plovdiv.
Dschumaja Moschee Plovdiv
Dschumaja-Moschee und Amphitheater
Ausgrabungen römischer Ruinen am Straßenrand weisen auf die lange Geschichte der Stadt hin. Nachdem wir an einer Imbissbude zu Mittag gegessen haben, stoßen wir wenig später auf ein weiteres Relikt der römischen Vergangenheit.
Tschifte Banja Plovdiv
Tschifte Banja
Inmitten der Straße befinden sich die Reste eines Amphitheaters. Wir steigen die Treppe zur Ausgrabung hinab und finden uns in Front der unteren Sitzreihen der ehemaligen Arena wieder. In deren Mitte tut sich ein Tunnel auf, der als Zugang diente. Recht und links des Ganges befinden sich steinerne Bassins, die wohl rituelle Bedeutung hatten und bis heute mit Wasser gefüllt sind. Wir durchqueren den Tunnel und gelangen so zur Außenmauer des Amphitheaters, wo eine weitere Treppe auf das heutige Straßenniveau hochführt.
Altstadt Plovdiv
Spaziergang...
In unmittelbarer Nähe der römischen Arena befindet sich die bis heute genutzte Dschumaja-Moschee, die wiederum auf die osmanische Vergangenheit Plovdivs hinweist.
Plovdiv Altstadt
...durch die Altstadt...
Eine Besichtigung der Moschee ist scheinbar nicht möglich und so schlendern wir stattdessen die Fußgängerzone weiter hinunter bis zum Ufer des Stadtflusses Mariza. Wir folgen dem Flussufer ein Stück weit und entdecken unterwegs noch ein altes Hammam, die so genannte Tschifte Banja. Schließlich gelangen wir zu einem der Aufgänge in die historische Altstadt.
Altstadt Plovdiv
...von Plovdiv
Durch schmale Gassen mit gedrungenen, alten Häuschen spazieren wir durch diesen faszinierenden Teil Plovdivs, der die Atmosphäre vergangener Zeiten bewahrt hat. An der höchsten Stelle der auf einem Hügel gelegenen Altstadt stoßen wir auf die Ruinen einer alten Festung.
Armenische Kirche Plovdiv
Armenische Kirche
Es bedarf einer Menge Phantasie um sich das ursprüngliche Erscheinungsbild der Anlage auszumalen. Aber neben der Bausubstanz ist auch der Panoramablick von den ehemaligen Festungsmauern den Besuch wert. Wir verbringen einige Zeit in den Ruinen, bevor wir in die Altstadt zurückkehren.
Festung Plovdiv
Blick von der alten Festung
Dort machen wir noch einen Abstecher zum historischen Museum in einem ausgesprochen hübschen Stadthaus im Stil der so genannten Bulgarischen Wiedergeburt. Anschließend werfen wir einen Blick auf die armenische Kirche, die Sveta-Marina-Kirche und die Sveti-Konstantin-i-Elena-Kirche. Am Rande der Altstadt finden wir das zweite, wesentlich berühmtere römische Amphitheater Plovdivs. Die aus weißem Stein errichtete Arena ist beinahe vollständig erhalten.
Sveti Konstantin Elena Kirche Plovdiv
Sveti-Konstantin-i-Elena-Kirche
Vor dem Hintergrund des tiefblauen Himmels bietet das Bauwerk einen fantastischen Anblick. Wir schlendern noch ein wenig durch die schattigen Gassen der Altstadt weiter und kehren dann in die Fußgängerzone der Neustadt zurück.
Roemisches Theater Plovdiv
Römisches Theater
Es ist inzwischen früher Abend geworden. Für die Übernachtung in Plovdiv waren wir von einem Couchsurfer eingeladen worden und es wird langsam Zeit, zu unserem Gastgeber aufzubrechen. Wir treffen uns bei seinem Büro in der Nähe der Innenstadt. Mario ist gebürtiger Italiener, der mit seiner Frau schon länger in Bulgarien lebt und hier ein Unternehmen gegründet hat. Bei italienischem Essen und Wein verbringen wir einen lustigen Abend mit den beiden.
Bus Plovdiv Veliko Tarnovo
Im Bus nach Veliko Tarnovo am nächsten Tag
Am nächsten Morgen werden wir sogar zum Busbahnhof gefahren, wo wir uns herzlich verabschieden. Die nächste Station unserer Reise wird Veliko Tarnovo. Die Busfahrt dorthin dauert knappe vier Stunden, die in dem engen und schlecht belüfteten Minibus zur Tortur werden. Der Busbahnhof von Veliko Tarnovo liegt ein gutes Stück außerhalb der Altstadt und es ist bereits früher Nachmittag als wir dort ankommen.
Altstadt Veliko Tarnovo
In der Altstadt von Veliko Tarnovo
Der Fluss Jantra beschreibt bei Veliko Tarnovo einen engen Bogen; die Altstadt selber ist terrassenartig am steilen Flussufer errichtet worden. Wir spazieren eine ganze Weile durch die von gemütlichen kleinen Häusern gesäumten Sträßchen von denen sich immer wieder neue, spektakuläre Blicke über die restliche Altstadt und den Fluss unter uns ergeben.
Ulitza Gurko Veliko Tarnovo
Ulitza Gurko - eine der ältesten Straßen der Stadt
Die mit Abstand beeindruckendste Straße der Altstadt ist die Ulitza Gurko, die angeblich bereits zur Gründungszeit der Stadt eine Art Hauptstraße war und sich quer durch den Altstadtkern am Steilufer der Jantra zieht.
Veliko Tarnovo Jantra
Blick über Veliko Tarnovo und Jantra
Sie führt uns am Ende auch zur Festung Zarewez. Die wurde einst zum Schutz vor den Angriffen des osmanischen Reichs erbaut und gleicht mehr einer Stadt als einer Festung. Im Inneren wurden die Ruinen von mehr als 20 Kirchen und Hunderten Wohnhäusern freigelegt. Entsprechend groß sind die Ausmaße der Anlage.
Zarewez Festung Veliko Tarnovo
Eingang zur Festung Zarewez...
Wir verbringen beinahe den gesamten Nachmittag dort und erkunden die zahlreichen freigelegten Fundamente der Häuser und Kirchen. Manche Teile der Festung wurde sogar wiederaufgebaut. Die extensive Verwendung von modernen Baustoffen verlangt jedoch eine Menge Fantasie um sich ein Bild des einstigen Anblicks zu machen.
Festung Zarewez Veliko Tarnovo
...und Ausgrabungen im Inneren
Am höchsten Punkt der auf einem Hügel gelegenen Festung wurde gar eine moderne Kirche errichtet, die wegen ihrer neuzeitlichen Architektur und Innengestaltung jedoch merkwürdig deplatziert wirkt. Nachdem wir die Festung wieder verlassen haben, steigen wir noch zum Flussufer unterhalb der Altstadt hinab.
Denkmal Zarenfamilie Assen Veliko Tarnovo
Denkmal für die Zarenfamilie Assen
Auf der Innenseite der Flussbiege befindet sich hier ein kleiner Park mit einer protzigen Kunstgalerie aus der Jahrhundertwende und einem Denkmal für die in Veliko Tarnovo beigesetzte Zarenfamilie Assen, die im Mittelalter über Bulgarien herrschte. Das eigentliche Highlight ist jedoch der grandiose Panoramablick auf die Altstadt am gegenüberliegenden Flussufer, der sich von hier bietet.
Lichtshow Veliko Tarnovo
Lichtshow auf der Zarewez Festung am Abend
Wir genießen die Szenerie eine ganze Weile, dann kehren wir wieder ins Stadtzentrum zurück. Wir sind in einer Bar mit Arne verabredet, den wir über Couchsurfing kennengelernt hatten und bei dem wir heute übernachten wollen. Wie sich zeigt sind wir nicht seine einzigen Übernachtungsgäste; ein australischer Backpacker ist schon seit ein paar Tagen Arnes Gast. Wir verbringen einen amüsanten Abend und haben sogar noch Gelegenheit eine Lichtshow bei der alten Festung Zarewez zu betrachten.
Bahn Veliko Tarnovo Ruse
Abfahrt aus Veliko Tarnovo am nächsten Morgen
Der nächste Morgen beginnt mit dichten Wolken. Nach einem raschen Frühstück brechen wir zum kleinen Bahnhof von Veliko Tarnovo auf, wo wenig später unser Zug nach Ruse abfährt. Ruse liegt weiter im Osten Bulgariens direkt an der Donau, die dort die Grenze nach Rumänien markiert.
Ruse Bulgarien
Ankunft in Ruse
Während der knapp dreistündigen Zugfahrt dorthin regnet es beinahe ununterbrochen. Als wir schließlich in Ruse ankommen, ist der Himmel jedoch wieder klar. Vom Bahnhof ist es ein kurzer Weg in die Fußgängerzone der Innenstadt. Ruse war als das Wien des Balkans beschrieben worden und diese Beschreibung erweist sich als ziemlich zutreffend.
Donau Promenade Ruse
Donaupromenade und Blick auf
Rumänien am gegenüberliegenden Ufer
Die Altstadt ist geprägt von neo-barocken Stadthäusern. Wir schlendern eine Weile durch die großzügigen Straßen und Alleen und gelangen zum Renaissance-Park. Nachdem wir uns in der Ruhe dort ein wenig entspannt haben, können wir es kaum erwarten zur Donaupromenade zu kommen.
Dreifaltigkeitskirche Ruse
In der Dreifaltigkeitskirche
Der überwucherte Weg direkt am Flussufer hat zwar sichtlich schon bessere Tage erlebt, doch der Blick über die Donau auf die rumänische Grenze lohnt den Abstecher dennoch. Letzte Station des Tages wird die Heilige-Dreifaltigkeits-Kirche (Света Троица), die als die älteste Kirche in Ruse gilt. Wir bewundern das reich geschmückte Innere ausführlich, dann gehen wir ins Stadtzentrum zurück.
Hotel Ruse
Eingang unseres Hotels
Inzwischen ist der Abend angebrochen und wir machen uns auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Fündig werden wir in der Nähe des Bahnhofs. In einer der oberen Etagen eines tristen Plattenbaus ist ein kleines Hotel untergebracht, das günstige Zimmer anbietet. Wir lassen uns einen Raum geben und gehen im Supermarkt gegenüber dem Hotel einkaufen. unser Abendessen nehmen wir im Zimmer ein, dann legen wir auch schon schlafen. Morgen müssen wir bereits in aller Frühe aufstehen um den Zug zurück nach Sofia zu erreichen.
Sofia Banja Baschi Moschee
Ankunft in Sofia am nächsten Tag
Am nächsten Tag sitzen wir bereits kurz nach Anbruch der Morgendämmerung in einem klapprigen Schnellzug in die bulgarische Hauptstadt.
Zentralmarkthalle Sofia
In der Zentralmarkthalle
Die Fahrt dauert rund sechs Stunden, während derer die Außentemperaturen immer weiter steigen. Schweißgebadet erreichen wir am frühen Nachmittag unser Ziel. Es ist zwar nicht unser erster Besuch in Sofia, doch trotzdem genießen wir den Spaziergang durch die Stadt. Erster Programmpunkt wird der Besuch des Zhenski Bazar (женски пазар).
Vitosha Boulevard Sofia
Auf dem Vitosha Boulevard
Von dort ist es nicht weit bis zur Sofioter Synagoge und der Zentralmarkthalle. Weiter spazieren wir durch die Außenbezirke der Stadt.
Badehaus Sofia
Das alte Badehaus
Schließlich gelangen wir so zum Nationalen Kulturpalast, in dessen Nähe die Fußgängerzone Vitosha Boulevard (булевард Витоша) beginnt. Wir schlendern die Fußgängerzone in Richtung Altstadt zurück, werfen noch einen abschließenden Blick auf das große Einkaufszentrum ZUM, das alte Badehaus und die Banja-Baschi-Moschee (Баня баши джамия).
Monument der Sowjetischen Armee Sofia
Abend am Monument der Sowjetischen Armee
Dann wird es Zeit, zum Hostel zu gehen. Nachdem wir eingecheckt haben, lernen wir im Aufenthaltsraum Stefan und Marko kennen. Die beiden sind mit dem Fahrrad aus der Nähe von München bis Sofia gefahren und wollen weiter bis nach Peking radeln (Website der beiden). Den Abend verbringen wir über Reiseerlebnisse diskutierend im so genannten Prinzengarten (Княжеска градина) beim Monument der Sowjetischen Armee. Von dort hat man einen guten Blick auf den Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt. Erst tief in der Nacht sind wir im Hostel zurück.
Alexander Newski Kathedrale Sofia
Alexander Newski-Kathedrale außen...
Am nächsten Morgen sind wir trotzdem wieder früh auf den Beinen. Wir frühstücken gemeinsam mit den beiden Radfahrern und gratulieren Marko, der heute Geburtstag hat. Anschließend brechen wir zur Alexander-Newski-Kathedrale auf.
Sofia Alexander Newski Kathedrale
...und innen
Um die Zeit haben sich noch kaum Touristen hierher verirrt und wir können in aller Ruhe den prunkvoll geschmückten Innenraum erkunden. Direkt neben der Kathedrale befindet sich auch die wesentlich ältere Kirche Sweta Sofia (Света София), deren schlichtes Inneres wir ebenfalls besichtigen. Anschließend fahren wir mit der Metro in die Außenbezirke Sofias.
Kirche Sweta Sofia
Kirche Sweta Sofia
Von der Endhaltestelle der Metro geht es mit einem klapprigen Bus nach Boyana weiter. Einst ein eigenes Dorf, ist Boyana heute ein Stadtteil von Sofia. Aufgrund der Lage an einem Berghang oberhalb der Hauptstadt sind die Häuser hier vor allem bei den reicheren Sofiotern beliebt.
Boyana Sofia
Blick vom Vorort Boyana auf die Hauptstadt
Uns hat jedoch weniger der Ausblick hierher geführt als vielmehr die mittelalterliche Boyana-Kirche (Боянска църква). Die gilt wegen ihrer Fresken als nationales Denkmal und wird sogar als Weltkulturerbe der UNESCO gelistet. Für umgerechnet zehn Euro pro Person lösen wir zwei für bulgarische Verhältnisse außerordentlich teure Eintrittstickets, die uns einen zehnminütigen Besuch der Klosterkirche erlauben.
Kirche Boyana Bulgarien
Kirche von Boyana
Doch der lohnt sich allemal. Die Fresken sind trotz ihres Alters in außerordentlich gutem Zustand und malen ein lebendiges Bild der damaligen Glaubenswelt. Am frühen Nachmittag sind wir schließlich wieder in der Innenstadt von Sofia zurück.
Kulturpalast Sofia
Besuch des Kulturpalasts zurück in Sofia
Wir essen im Untergeschoss der Markthalle zu Mittag und gehen dann noch einmal zum Kulturpalast. Von dessen Dachterrasse soll man einen tollen Rundumblick über Sofia und Umgebung haben. Die Dachterrasse erweist sich am Ende zwar als geschlossen, doch dafür erkunden wir ausgiebig das fast menschenleere und irgendwie labyrinthartigen Innere des Gebäudes.
Sofia Panorama
Blick von den oberen Etagen des Bauwerks
Architektonische Schönheit lässt sich dem Bauwerk zwar kaum attestieren, dafür kommen wir uns vor wie in einer sowjetischen Zeitkapsel. Nach einer kurzen Pause im Hostel gehen wir abends noch einmal in den Prinzengarten.
Sofia Nachts
Letzer Abend in Sofia
Heute ist der neunte Mai, der Tag des Sieges über Hitler-Deutschland. Während in Russland gigantische Paraden abgehalten werden, ist in Sofia nur eine kleine, schlecht besuchte Bühne neben dem Monument der Sowjetischen Armee aufgebaut. Wir setzen uns trotzdem in der Nähe hin, essen unser Abendessen und betrachten die Darbietungen. Um 21 Uhr endet das Spektakel ziemlich abrupt und die letzten paar Zuschauer verlassen den Park. Auch wir kehren ins Hostel zurück. Morgen müssen wir in aller Frühe zum Flughafen um nach Deutschland zurückzufliegen.